Dünne Luft

Wir befahren einen gemütlichen Pass von Taliouine Richtung Marrakesch durch den Atlas. Über Taigalt und Algou schlängeln wir uns immer höher die Felswände herauf. Die R203 wird irgendwann zur Piste und erschwert insbesondere den LKW’s ein vorankommen. Wir dachten auf der Karte wäre diese Route als besonders schön markiert – tatsächlich ist sie aber besonders gefährlich. Ein weiterer Translationsfehler…

In der Nähe einer verfallenen Kasbah (Tagoundaft) finden wir auf 1600m ein gemütliches Nachtlager. Die Umgebung der Kasbah eignet sich nur noch als Bolzplatz wenngleich der übrig gebliebene Turm beim künftigen Einsturz wohl erheblichen Schaden im Tal verursachen wird.


Uns gibt schon seit längerem der regelmäßige Hinweis der Marokkaner auf die hohe Kunst der Zubereitung einer richtigen Tajine zu denken. Dabei variieren die Fertigungszeiten, dieser im Tongefäß zubereiteten Mahlzeiten, zwischen unter einer Stunde und ca. einem Tag. Auf jeden Fall haben wir uns gedacht – dass kann doch nicht so schwer sein. Unsere neu zugelegte Tajine (die nimmt viel Platz weg) haben wir schon zur Zubereitung von Ei und überbackenen Nudeln auf dem Benzinkocher missbraucht, jetzt ist ein Rindereintopf auf dem Grill fällig. Der lokale Metzger hat uns mit Knochen, Fett und Rind versorgt welches vorsorglich noch zwei Tage in Öl eingelegt wurde (statt des Abhängens). Als Gewürze werden Kurkuma, Ingwerpulver und Kreuzkümmel vermischt. Dazu gibt es Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Zucchini und Tomaten. Die Zubereitung auf unserem kleinen Grill hat 1,5 stunden gedauert und war kein Hexenwerk.


So gestärkt begeben wir uns in Richtung Imlil dem Epizentrum für Wanderungen im Atlas Gebirge. Abends marschieren wir zu Wasserfällen und belohnen uns in einem kleinen lokal mit einer Tajine (die genau wie unsere eigene schmeckte). Hier werden wir von einem tschechischen Paar angesprochen ob wir vom Mount Toubkal kommen. Wir verneinen und geben an, dass wir nicht fit sind (zu viel sitzende Tätigkeit) und schließlich nicht unvorbereitet 4200m besteigen können. Unser Campingwart Hassan klärt uns abends auf, wie unvorbereitet Leute darauf wandern (keine Schuhe, kein Licht, keine richtige Kleidung, keine Stöcke). Da waren wir allemal besser vorbereitet und jetzt natürlich hoch motiviert.

Am nächsten Morgen geht es um 06:00h morgens in Richtung Basislager. Vorbei an Aroumd steigen wir von 1900m auf die 3200m des Basislagers der Refugee du Toubkal. Diser 6 Stunden Marsch war aufgrund der Hitze und permanenten Steigung schon fordernd. Die Ausblicke jedoch sehenswert. Anfangs fragten wir uns noch warum die anderen Wanderer alle keinen oder einen viel kleineren Rucksack dabei hatten. Später erkannten wir, dass sogar Rollkoffer von Eseln bis ins Basislager transportiert werden.

Dort angekommen hatte das tschechischen Paar (Annae und Standa) die Schlafkoje neben uns :-). Am nächsten Morgen starteten die ersten geführten Gruppen um 03:00h zur Spitze. Wir hatten am Vorabend mögliche Wege durch ein Geröllfeld ausgekundschaftet, sodass wir uns mit der Stirnlampe im Dunkeln nicht verlaufen. Um das Risiko zu minimieren starteten wir erst um 05:00h und verpassen somit den Sonnenaufgang am Gipfel. Diese Wanderung war echt steil, zudem kamen Außentemperaturen von ca. 6°C die für uns vollkommen ungewohnt waren. Nach 4 Stunden war der Gipfel in Aussicht und wir konnten den Rückweg bis nach Imlil antreten. Um 19:00h abends erreichten wir völlig erschöpft den Campingplatz in Imlil. Nach Abzug von 2 Stunden Regenpause war das immer noch ein sehr schöner 12 Stunden Marsch.

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